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Blogger 2015

Als ich einmal mit zwei anderen für „Die beste kommunikationswissenschaftliche Abschlussarbeit 2015″ an meiner Uni nominiert war, kam kurz darauf die Meldung: „Der Preis geht ex-aquo an (die anderen beiden)“. Ha! Von daher kann das hier eigentlich nur besser werden: Ich bin bei „Die Blogger des Jahres 2015″ in der maximal-subversiven Kategorie „Beste Blogger ohne Blog, aber mit Newsletter“ nominiert – und freue mich sehr.

Falls Sie wissen wollen, worum es geht: Den Newsletter gibt’s bei den Krautreportern jeden Tag auf der Webseite unter „Morgenpost“ aber auch im Abo hier.

Alles neu, alles bunt in 2016

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2015: Das Jahr, in dem ich mich zwar bei ewig vielen Menschen mit dem Krautreporter-Newsletter täglich meldete, aber in dem hier auch alles verwahrloste.

2016: Das Jahr, in dem es hier endlich weitergeht. Nach der Kleinigkeit von ein paar lächerlichen Monaten habe ich mich endlich für ein neues Theme entschieden. Im Hintergrund sind alle neuen Texte so gut wie fertig geklöppelt. Bis Mitte Januar wird hier alles neu ausschauen. Bis dahin gibt’s mich vor allem bei Twitter.

Danke für die Geduld.

Filme für den zweiten Blick – Sechs Sleeper aus 2014

Der Jahreswechsel ist ja nun vorüber, also schaffen wir künstliche Relevanz mit dem nächsten Event: Die Oscar-Season ist in vollem Gange. Einen tollen Überblick über alle Awards bis dahin bietet das ohnehin immer empfehlenswerte insidekino.de. Die Studios in den USA bewerben ihre Schlachtrösser auf Webseiten und Magazinen, alle versuchen, bis zu den Nominierungen am 15. Januar ihre Kandidaten zu pushen.. Wie das mit dem Oscarsieg geht, beschreibt vox.com ganz interessant.
Bis dahin ist aber noch genug Zeit, auf sechs Filme aufmerksam zu machen, die mir 2014 besonders gefallen haben und die ein wenig untergegangen sind. Einige davon hatten schon ihren Deutschlandstart, andere kommen erst noch, einige sind bereits in den einschlägigen Online-Videotheken zu sehen, Ihr kriegt das schon hin.

The One I Love
Ein kleiner Film mit nur drei erwähnenswerten Rollen: In der Ehe von Ethan (Mark Duplass) und Sophie (West-Wing-Zoe/Mad-Men-Peggy Elisabeth Moss) kriselt es. Ihr Therapeut empfiehlt ihnen ein Wochenende in seinem Ferienhaus. Nach fünfzehn Filmminuten kommt es dort zu einem der frischesten Kniffe, die ich seit Langem gesehen habe. Eine überzeugende Mischung aus Science-Fiction und Ehedrama zu der Frage, was wir in Beziehungen suchen und was diese im Innersten überhaupt zusammenhält.

Bestes Zitat:
Ethan: „Einigen wir uns auf einige Grundregeln.“
Sophie: „OK. Kein Nachspionieren. Wir werden ehrlich mit dem anderen sein, was im Haus passiert.“
Ethan: „Wie eine Übung in gegenseitigem Vertrauen.“

Höhere Gewalt („Force Majeure“)
Ehedrama zum Zweiten. Der schwedische Oscar-Kandidat in diesem Jahr bringt eine zerbröckelnde Familie zur Ski-Woche in die französischen Alpen. Es kommt zum Eklat, als eine kontrollierte Lawine gezündet wird und diese dem Aussichtsrestaurant, auf dem die Familie zu Mittag ist, bedrohlich nahe kommt: Anstatt sich wie Mutti schützend auf die beiden Kinder zu legen, schnappt Papa sich nämlich Handschuhe und Smartphone und flieht nach drinnen. Doch reicht das, um ihm danach das Leben zur Hölle zu machen? Regisseur Ruben Östlund findet starke Dialoge, zeigt eine toll passende Bilderwelt und erzählt viel Kluges darüber, wie übertriebene Selbstdarstellung und Anspruchsdenken in Familien wirken können.
Fun Fact: Hauptdarsteller Johannes Bah Kuhnke hat mal an der schwedischen Eurovisions-Vorentscheidung teilgenommen. (hier)

Bestes Zitat:
„Wir sind hier, weil Thomas unheimlich viel arbeitet. Deshalb hat er jetzt also fünf Tage, sich voll auf die Familie zu konzentrieren.“

The Skeleton Twins
Ein Film, der es mich bedauern ließ, keine Geschwister zu haben. Die Zwillinge Milo und Maggie haben sich auseinandergelebt, finden aber wieder zusammen. Was nach Blut-ist-dicker-als-Wasser-Konfektionsware klingt (vgl. „This is where I leave you“), funktioniert hier dank der großartigen Chemie zwischen den ehemaligen „Saturday Night Live“-Stars Kirsten Wiig und Bill Hader. Ein weitgehend leiser Film, der überraschend lang nachklingt und dessen Karaoke-Szene zu „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ auch in zehn Jahren noch ein Lächeln bei jedem Kinogänger auslösen wird. In Deutschland soweit ich das sehe nur als DVD-Start vorgesehen (wooot?)

Bestes Zitat:
Milo [der sich zuvor über seine schleppende Schauspielerkarriere beschwert]: „Mich deprimiert mein Leben.“
Maggie: „Mich deprimiert mein Leben auch. Ich hab aber eine Neuigkeit für Dich: Niemand ist ein berühmter Schauspieler.“
Milo: „George Clooney ist ein berühmter Schauspieler.“
Maggie: „OK. George Clooney. Ich denke, das ist eine Ausnahme.“

Obvious Child
Indie-Perle über die Stand-Up-Comedian Donna, die nach einem Kneipen-One-Night-Stand schwanger wird und sich gegen das Kind entscheidet. Der Film gehört Jenny Slate, die ein tolles Timing hat und ihrer Figur damit echtes Leben einhaucht. Alle Charaktere sind angenehm ausformuliert, keiner dient nur als These. Klar kann man das Ding den „Abtreibungsfilm“ nennen, aber dann würde man das große Herz dieser rund 80 Minuten langen Perle verpassen.

Bestes Zitat:
Donna [übt vor dem Spiegel, Max von der Schwangerschaft zu erzählen]: „Hey Max, erinnerst Du Dich an damals, als wir’s miteinander getan haben? Ich werd’s abtreiben. Wollen wir uns einen Nachtisch teilen? Ja, ja, definitiv damit das Gespräch beenden. Definitiv.“

Whiplash
Ein Jazz-Drummer lernt von seinem gnadenlosen Lehrer, was es mutmaßlich braucht, um wirklichen Erfolg zu haben: Selbstaufgabe und Leid. Der Film bietet gute Musikszenen und tolle Schauspielleistungen von Miles Teller als Andrew, der leider in der Oscar-Promotion schon etwas aufgegeben wird, und J.K. Simmonds als sein brutaler Lehrer Fletcher, dem Nebenrollenauszeichnungen winken dürften. Absolut positiv, dass Regisseur und Autor Damien Chazelle das Ganze nicht zur simplen Heldengeschichte werden lässt, sondern auch den Preis zeigt, den Andrew zahlen muss. Besonders sehenswert auch, weil es viel Kluges dazu erzählt, wie Männer versuchen, von anderen Männern Respekt zu erlangen.

Bestes Zitat:
Fletcher: „There are no two words in the English language more harmful than: Good job.“ (Vielleicht etwas unsensibel übersetzt mit: „Es gibt keine zwei verheerenderen Worte in der englischen Sprache als: Gute Arbeit.“)

Selma
Biografien im Kino sind ein schweres Geschäft: „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ist dank Absegnung durch Hawking und Ex-Frau arg brav, Filme wie „Move on Up“ sind bestenfalls nette Nummernrevues. Noch seltener ist eine zeitgemäßer Bezug für die historischen Stoffe – und hier kommt „Selma“ ins Spiel. Unfassbar aktuell durch die Bezüge zu den massiven Protesten gegen Polizeigewalt in den USA, aber auch durch eine absolut zeitgemäße Kamera und exzellente Musikauswahl mit John Legend und Public Enemy. Außerdem findet Regisseurin Ava DuVernay den perfekten Ausschnitt aus Martin Luther Kings Leben. Erzählt wird die Geschichte des Marsches von Selma nach Montgomery vor fünfzig Jahren, bei dem die Schwarzen in den US-Südstaaten für ihr Wahlrecht demonstriert haben. Von der ersten Einstellung an eine Wucht.

Zitat:
King: „Wir brauchen ihre Hilfe.“
Johnson: „Das Thema wird warten müssen.“
King: „Es kann nicht warten.“
Johnson: „Sie haben ein großes Thema. Ich habe einhundertundeins.“


Noch ein Wort zu den derzeitigen Favoriten für die großen Filmpreise:
Boyhood gefiel mir zwar in seiner Mischung aus Improvisation und mutigem Konzept. Lässt man den Produktionsaufwand aber außer Acht, war mir der Film zu leichtgewichtig, eine mittelprächtige Coming-Of-Age-Geschichte aus dem Lehrbuch.
Birdman habe ich noch nicht gesehen, aber mich verwirrt der bisherige Preisregen doch sehr. Zu sperrig erscheint mir die künstlerisch-abgedrehte Geschichte. (Andererseits liebt die Academy ja auch immer Selbstreferentielles über das Showbiz, siehe „The Artist“, siehe auch „Chicago“, jipp, der war mal „Bester Film“).
Jolies „Unbroken“ hat zu Recht schlechte Kritiken bekommen, ein uninspiriertes Ding ist das geworden. Gleichzeitig gewalttätig und schonend. Bleibt noch „The Imitation Game“, der mir aber auch zu geschichtsdröge daherkommt.

Fazit: Der Case für „Selma“ ist schwierig: Mit „12 Years a Slave“ gewann bereits im letzten Jahr ein ähnliches Thema und der Film hat wegen seiner zu kritischen Darstellung von Präsident Lyndon B. Johnson viel Kritik einstecken müssen (LBJ war in Wirklichkeit viel kooperativer mit King als es im Film den Anschein hat). Wenn das Bürgerrechtsdrama aber an Momentum gewinnt und die Academy seltenen politischen Mut aufbringt, könnte es für „Selma“ reichen – ansonsten wird’s wohl „Boyhood“.

Endlich geht’s los: Krautreporter

Ein Dokument ganz am Anfang habe ich noch bekommen, in dem nur von „Projekt X“ die Rede war. Seitdem sind einige Monate ins Land gegangen, aus dem Projekt X wurden die Krautreporter und das bisher größte Crowdfunding im deutschsprachigen Journalismus ging über die Bühne. (Sie bekamen das ja wahrscheinlich alles mit.)

Und plötzlich gibt es da ein Projekt, durch das ich schon jetzt sehr viel gelernt habe und bei dem ich sehr stolz bin, dabei sein zu dürfen. Ich schätze die Kollegen und die Zusammenarbeit mit ihnen sehr und bin ganz verblüfft, wie sich so ein Vorhaben aus nächster Nähe anfühlt. Mein erster Text handelt von der Park Avenue hier in New York. Wir haben noch einige weitere Projektideen in petto, bitte bleiben Sie dran.

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